• Forum
  • Kontakt
  • Intranet
  • A A
    STRG + STRG -

    Sie können die Seite mithilfe Ihres Browsers größer oder kleiner anzeigen lassen. Verwenden Sie dafür bitte STRG + und STRG - .
    Mit STRG 0 gelangen Sie wieder zur Ausgangsgröße.

  • brightness_6
  • Instagram Logo
brightness_6 search menu
Gemeinschaft, die bewegt.

Coronavirus: Infos für Menschen mit Rheuma

| News
Maske Coronavirus

Menschen mit Rheuma stehen während der Coronavirus-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Menschen mit Rheuma stehen während der Coronavirus-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Während der Coronavirus-Pandemie muss das Leben in vielen Bereichen eingeschränkt werden. Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein. Ursächlich hierfür ist die rasante Verbreitung der Omnikronvariante. Die Infektionsgefährdung wird für die Gruppe der Ungeimpften als sehr hoch, für die Gruppen der Genesen und Geimpften mit Grundimmunisierung (zweimalige Impfung) als hoch und für die Gruppe der Geimpften mit Auffrischimpfung (dreimalige Impfung) als moderat eingeschätzt. 

Viele Menschen, insbesondere Betroffene, die an einer entzündlich-rheumatischen Krankheit leiden, haben Angst, sich anzustecken und einen schweren Verlauf bei einer Erkrankung zu haben.

Die Deutsche Rheuma-Liga lässt Betroffene mit ihren Fragen nicht allein und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema "Coronavirus und Rheuma".

Wer ist besonders gefährdet für einen schweren Verlauf?

  • Besonders gefährdet sind ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Personen. Obwohl die Impfung keinen vollständigen Schutz gegen eine Infektion mit der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 verleiht, schützt sie zumindest weitgehend vor einem schweren Krankheitsverlauf und der Notwendigkeit einer Hospitalisierung. Auch bei Patienten mit Risikofaktoren wie einem geschwächten Immunsystem reduziert die komplette Grundimmunisierung (erste und zweite Impfung) mit mindestens einer Auffrischimpfung die Wahrscheinlichkeit eines schweren COVID-19-Verlaufs deutlich.
  • Das Risiko für einen schweren Verlauf steigt für Menschen ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an.
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, vor allem bei chronischen Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Niere, bei chronischen Lebererkrankungen, Diabetes, starkem Übergewicht, Trisomie 21 und Krebs: Bei Zusammentreffen von Grunderkrankungen und höherem Alter erhöht sich das Risiko weiter. Einige dieser Vorerkrankungen treten bei Rheumapatienten häufiger auf als im Bevölkerungsdurchschnitt. Sie dürfen daher nicht außer Acht gelassen werden.
  • Männer erkranken jedoch häufiger schwer und sterben laut einer Übersichtsarbeit doppelt so häufig wie Frauen.
  • Raucherinnen und Raucher
  • Die Erkenntnis, inwieweit Rheumapatienten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben, hat sich seit Beginn der Pandemie leicht gewandelt und kann noch nicht abschließend beantwortet werden.
    • Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet Patienten mit geschwächtem Immunsystem zur Personengruppen, bei welcher schwere Krankheitsverläufe häufiger beobachtet werden. Dazu zählen auch Patienten mit regelmäßiger Einnahme von bestimmten Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie z.B. systemische Kortikosteroide („Kortison“), Methotrexat, Cyclophosphamid, Azathioprin und Antikörper wie Rituximab. Die DGRh geht etwas genauer auf die Liste von entsprechen Medikamenten ein (siehe unten).
    • Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie weist darauf hin, dass die bisherigen Erkenntnisse aus Studien zu COVID-19 nahelegen, dass im Allgemeinen das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung bei Rheuma-Patienten in der Regel nicht höher zu sein scheint als bei der Allgemeinbevölkerung.
      • Wenn die Erkrankung jedoch gerade besonders aktiv ist (u.a. weiter geschwollene Gelenke, erhöhte Entzündungszeichen im Blut), scheint das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht zu sein. 
      • Außerdem liegt möglicherweise bei Systemerkrankungen wie Vaskulitiden, Kollagenosen (insbesondere Systemischer Lupus erythematodes, Systemische Sklerose, Sjögren-Syndrom) sowie autoinflammatorische Erkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf vor. Die hierzu verfügbaren Daten sind bisher noch nicht so belastbar wie die Daten zur rheumatoiden Arthritis (Stand Juni 2021).
      • Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Patienten, die Rituximab einnehmen, ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe von COVID-19 haben. Wenn Sie Rituximab einnehmen, sprechen Sie mit dem behandelnden Rheumatologen, ob die Einnahme z.B. verschoben werden kann, bis ein Impfschutz aufgebaut werden konnte. Wenn Rituximab bei lebensbedrohlichen Verläufen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird, empfehlen die Experten dringend, das Medikament auch weiter einzusetzen. Auch für Rituximab gilt: Setzen Sie auf keinen Fall die Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen ab!
      • Die folgenden Therapien scheinen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung einherzugehen: Cyclophosphamid, Mycophenolat, Glukokortikoide („Kortison“; ab 10 mg /Tag), die JAK-Inhibitoren (Baricitinib, Filgotinib, Tofacitinib, Upadacitinib), Ciclosporin A, Tacrolimus, Azathioprin (mehr als 3mg/kg Körpergewicht) und eventuell auch Abatacept.

Behandlung von COVID-19 bei Rheumapatienten mit einem Risiko für einen schweren Verlauf

  • Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 (siehe oben) sollte nach Infektion mit dem Corona-Virus, die mit Symptomen von COVID-19 einhergeht, in Absprache mit dem Rheumatologen eine Behandlung erwogen werden. Die medikamentöse antivirale Therapie oder die passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern sollte möglichst innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn beginnen.
  • Hinweise und Empfehlungen zur Therapie oder passiven Immunisierung finden sich bei der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und beim Robert-Koch-Institut.

Welchen Stellenwert hat die Therapie entzündlicher Rheumaerkrankungen?

  • Wenn eine entzündlich-rheumatische Erkrankung neu festgestellt wird, ist es wichtig, dass die medikamentöse Behandlung so schnell wie möglich beginnt. Wenn die Therapie gegen entzündliches Rheuma bereits läuft, sollten Sie die Therapie nicht eigenmächtig unterbrechen.
  • Immunsuppressiva (zum Beispiel Kortison, Methotrexat, Biologika, JAK-Inhibitoren) sollten keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie warnt ausdrücklich vor dem eigenmächtigen Absetzen der Therapie. Eine aktive, unbehandelte entzündliche Rheumaerkrankung ist in der Regel gefährlicher für eine Ansteckung mit einer Viruserkrankung als ein mit immunsuppressiven Medikamenten gut eingestelltes entzündliches Rheuma. Würde nach dem Absetzen ein Schub erfolgen, könnte sogar eine Erhöhung der immunsuppressiven Therapie und insbesondere der Kortisondosis nötig werden, was das Immunsystem möglicherweise ungünstig beeinflussen könnte.
  • Rheumapatienten, die Rituximab einnehmen, sollten mit dem behandelnden Rheumatologen besprechen, ob die Einnahme z.B. verschoben werden kann, bis ein Impfschutz aufgebaut werden konnte. Auch für Rituximab gilt: Setzen Sie auf keinen Fall die Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen ab!
  • Bei Zeichen einer Infektion sollten Menschen mit erhöhtem Risiko frühzeitig telefonisch mit dem Hausarzt Kontakt aufnehmen, nicht direkt in die Praxis gehen.
  • Sollte eine Infektion mit dem Coronavirus bei Betroffenen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen festgestellt werden, sollte telefonisch Kontakt mit dem Rheumatologen aufgenommen werden, um zu besprechen, wie die Therapie verändert werden muss; etwa wenn eine Corona-Infektion mit absehbar schwerem Verlauf vorliegt.
  • Rheumapatienten, die über längere Zeit (zum Beispiel mehr als einen Monat) Kortison einnehmen, verlieren die Fähigkeit, auf eine Stress-Situation wie eine Infektion mit dem Coronavirus ausreichend zu antworten. Dies gilt insbesondere, wenn Fieber, eines der wichtigsten Symptome der Corona-Infektion, auftritt. Die Nebennierenrinde ist durch die lange Kortison-Therapie ruhiggestellt. Sie kann nicht ausreichend durch Produktion von Kortisol reagieren. Diese Patienten brauchen dringend den Rat ihres Rheumatologen oder den Rat eines Endokrinologen (Hormonspezialist). Auf keinen Fall darf das Kortison ohne Rücksprache abgesetzt werden!

Impfstoff gegen Corona: Empfehlungen für Rheuma-Betroffene

Sollen sich Rheuma-Betroffene gegen SARS-CoV-2 impfen lassen? Was ist bei der Basistherapie zu beachten?

Mehr erfahren

Welche Informationen sind für Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung noch wichtig?

  • Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Rheumapatienten ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken oder nicht. Die Ergebnisse aus den Studien sind widersprüchlich. Ein generell erhöhtes Risiko an COVID-19 zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu bekommen, wurde in den meisten Studien bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nicht festgestellt. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass das Risiko zu erkranken bei schwereren, systemischen Rheumaformen, wie beispielsweise Kollagenosen oder Vaskulitiden, etwas erhöht ist. Genaue Aussagen hierzu sind auf der Basis der bisherigen Studien jedoch noch nicht möglich.
  • Grundsätzlich ist für ältere Menschen und für Betroffene von Autoimmunerkrankungen ein umfassender Impfschutz von hoher Bedeutung, um beispielsweise das Risiko für Influenza- und Pneumokokken-Infektionen (Lungenentzündung) zu reduzieren.
  • Die Corona-Sonderregeln für ärztlich verordnete Leistungen gelten nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses bis zum 31. März 2022. Die Sonderregeln betreffen insbesondere die Möglichkeit der Videobehandlung, Verordnungen nach telefonischer Anamnese, verlängerte Vorlagefristen für Verordnungen sowie verschiedene Erleichterungen bei Verordnungsvorgaben. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat entschieden, ab dem 1. April 2022 zu den regulären Richtlinienregelungen zurückzukehren. Mehrere Regelungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss aber bereits vollständig oder abgewandelt in die Regelversorgung überführt. Weitere Informationen finden Sie hier.
  • Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung verlängert: Bis zum 31. Mai 2022 können sich Menschen bei leichten Atemwegsinfektionen zudem von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin am Telefon bis zu sieben Tage lang krankschreiben lassen.

Das Coronavirus: Symptome und Übertragungswege

Das Virus heißt offiziell SARS-CoV-2. Die Erkrankung, die durch das Virus hervorgerufen wird, heißt COVID-19. Das Virus überträgt sich zum einen durch Tröpfcheninfektion: Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen, werden beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. des Auges aufgenommen. Besonders kleine Tröpfchen bezeichnet man als Aerosole: Beim (insbesondere lauten) Sprechen, Lachen und Singen treten diese mikroskopisch kleinen, nicht sichtbaren Wassertröpfchen aus dem Mund aus und verbleiben in der Luft. Zum anderen ist auch eine Infektion durch direkten Kontakt nicht auszuschließen, wenn man kontaminierte Objekte wie benutzte Taschentücher berührt und sich dann ins Gesicht fasst. Eine Infektion kann zu Symptomen wie Beeinträchtigungen des Geruchs- und/oder des Geschmackssinns, Fieber, trockenem Husten, Halsschmerzen, Schnupfen und Müdigkeit / Abgeschlagenheit führen (Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit auf der Internetseite des Robert-Koch-Institus). Auch über Auswurf, Atemprobleme, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen und Bauchschmerzen wurde berichtet. Einige Betroffene leiden an Übelkeit, Schwindel und Durchfall. Bei einem eher kleinen Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schweren Verlauf einherzugehen und zu Organbeteiligungen (Lunge, Herz, Niere u.a.) zu führen.

Weitere Informationen zum Coronavirus finden Sie ebenfalls im Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts.

Wie schütze ich mich und andere Menschen?

Menschenmengen vermeiden. Mindestens 1,5 Meter Abstand halten (auch im Freien). Größere Abstände in Räumen sind notwendig, wenn der Raum klein und schlecht belüftet ist. Einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Gründliches Hände waschen (20 bis 30 Sekunden). Händeschütteln und Umarmungen unbedingt vermeiden. Möglichst wenig ins Gesicht fassen, da Mund, Nase und Auge mögliche Eintrittswege für das Virus darstellen. Räume gründlich lüften. Lautes Sprechen, Singen etc. mit anderen in geschlossenen Räumen vermeiden. In Innenräumen steigt hierdurch das Risiko einer Übertragung deutlich, auch bei Einhaltung eines größeren Abstands als 1,5 m., Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Frischluftzufuhr. Bei Anzeichen eines Infekts Abstand halten und möglichst zu Hause bleiben. Beim Husten, Niesen oder Nase putzen mindestens zwei Meter Abstand von anderen Menschen halten und wegdrehen. Ausführliche Hygienetipps gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite. Die Verwendung der Corona-Warn-App kann helfen, dass weniger Menschen sich anstecken (AHA+L+A-Regel). Informieren Sie sich über die aktuelle Situation nur bei vertrauenswürdigen Quellen, zum Beispiel auf den Internetseiten der Bundesregierung, des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Robert Koch-Instituts oder auf dem Portal "Patienten-Information.de".

Was sagt die Deutsche Rheuma-Liga?

Die Deutsche Rheuma-Liga hält Besonnenheit im Umgang mit der Verbreitung des Virus SARS-CoV-2 für wichtig und stellt Informationen für Betroffene bereit, die helfen sollen, das Geschehen und eine mögliche individuelle Gefahr einzuschätzen. Dabei orientiert sie sich an den Informationen der öffentlichen Stellen (Robert Koch-Institut, Bundesministerium für Gesundheit, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).

Neben einer individuellen Gefährdung entsteht durch eine ungebremste Verbreitung des Virus vor allem die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird und die Versorgung der Kranken nicht in ausreichendem Maße erfolgt. Die Deutsche Rheuma-Liga unterstützt daher alle Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Verbreitung des Virus zu begrenzen. Davon profitieren in besonderer Weise diejenigen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe der Erkrankung haben; dazu können auch Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehören.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Stefan Schewe, niedergelassen in München und Ebersberg/Baldham

Dr. Jürgen Clausen, Referat Forschung, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband

Stand: März 2022